.besprechen wir fotos
.also weiter geht es. heut wollen wir uns dieses unwirtliche, winterliche bild eines sees im großraum stuttgart angucken. naja, eigentlich ist es eine talsperre.
kurz zur technik. ich habe hier 2 fotos geschossen, eines mit 90mm und eines mit 150mm brennweite. die 90mm waren deutlich zu weit, weshalb es das 150mm bild in die finale auswahl geschafft hat. als film war ein kodak gold 200 eingelegt. quasi mein standardfilm für meist alles.

.teilweise mit ki erstellt. (stempeln von ästen und steinen in lightroom)
.Kalt… sooo kalt.
.das bild ist offensichtlich im winter aufgenommen worden. meine fotos mache ich meistens an sonntagen – morgens in der früh. da nehme ich mir etwas zeit, stehe früh auf und schaffe es eine fotorunde zu machen und brötchen zu holen, bevor der rest meiner familie aufwacht und hunger bekommt. der bärensee ist für mich auch nur 20min autofahrt weit entfernt und so entschloss ich, dass ich dort hin fahren werde, als ich gesehen habe, wie neblig und kalt es diesen morgen war.
.auch die ganze woche vor diesem foto war besonders kalt. das hat am ende dazu geführt, dass der see tatsächlich komplett zugefroren war. es waren einige stöcke, äste und steine auf dem eis. die meisten davon habe ich weg gestempelt mit… pssst… ki!!!!… anscheinend muss man das heute irgendwie so langsam anfangen kenntlich zu machen.
.aber schauen wir uns das bild mal genauer an. in der mitte liegt der zugefrorene bärensee, der links und rechts von bäumen umgeben ist. die bäume verschwinden nach hinten in den nebel. im vordergrund liegt ein deutlich sichtbarer, abgebrochener ast, der nochmal ganz klar macht, dass der see eingefroren ist. die farben sind gräulich, bläulich und lassen uns als betrachter fast schon mitfrieren. der fluchtpunkt liegt etwas nach rechts im bild gerichtet. das bild hat viele weiche strukturen durch das glatte eis und den nebel.
.wer genau hin sieht, sieht auf der linken seite noch einen umgestürtzen nadelbaum, der alle seine queren äste in das eis hält. der baum sieht unwirklich aus, da die rinde schon kompett abgefallen ist. die äste wirken fast wie beine und erinnern an einen riesengroßen stockkäfer. dieses detail im bild macht in allen betrachtungsweisen das bild an sich noch unwirtlicher. auch im hintergrund neigen sich schon die näcshten bäume stark richtung see oder liegen sogar schon drin, den kampf gegen die schwerkraft verloren.

.mir als fotograf gefällt die szene natürlich sehr. nebel ist immer ein geschenk, weil er die umgebung völlig anders aussehen lässt, mysteriöser, geheimnisvoller. es ist nicht mehr sichtbar, was sich in der ferne befindet. es macht kompositionen auch viel leichter, weil man ungeliebte objekte ganz einfach im nebel verstecken und sich auf das wesentlich konzentrieren im bild kann. in diesem fall lässt der nebel vor allen dingen das ufer am hinteren ende des sees verblassen. aber auch die baumkronen verschwinden schon im nichts.

.in mir sorgt das bild für etwas unbehagen. es fühlt sich kalt an, lebensfeindlich, harsch und mysteriös. kein mensch, kein tier ist zu sehen. der ast auf dem eis ist das einzige zeichen, dass hier einmal menschen waren. das bild ist aber viel zu leer. wo ist das leben hin? eine antwort auf diese frage gibt das bild nicht. im kontrast dazu steht eine gewisse ästhetic. die symmetrie, die farben, die harmonischen formen wirken stimmig und gefällig. das foto lässt sich leicht angucken. der aufbau ist schnell zu verstehen.
.es bleibt das gefühl von kälte und leere und dass hier irgendwas nicht richtig ist.

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